Aventin Blog: Allegorien
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Mittwoch, 6. Juli 2016

tik tak | Alles geht nach der Uhr | Allegorie von Irmela Wendt

aventin.blogspot.com

"Alles geht nach der Uhr", sagte, Frau Ureburegurli. "Um ein Uhr haben die Kinder gegessen, bis drei Uhr arbeiten sie an den Schulaufgaben, bis fünf Uhr dürfen sie spielen, um halb sechs essen sie Abendbrot, danach lernt die Oma noch mit den Kindern, und von abends sieben bis morgens sieben schlafen sie. Um acht Uhr gehen sie zur Schule, und um zwölf Uhr dreißig sind sie wieder zu Hause."

"Ich bin mal gespannt", sagt Frau Lustibustigiero, die Nachbarin, "wie lange es dauern wird, bis Ihre Kinder nur noch 'tik tak' sagen."







Freitag, 8. April 2016

Vom Leben nach der Geburt | Zwillinge | Allegorische Weisheit

Ungeborene Zwillinge unterhalten sich: "Glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?" "Ja, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir stark genug sind für das was uns erwartet." "Blödsinn, das gibt es doch nicht. Wie soll denn das überhaupt aussehen, ein Leben nach der Geburt?" "Das weiß ich auch nicht genau. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?" "So ein Unsinn! Herumlaufen, das geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Außerdem geht das Herumlaufen gar nicht, die Nabelschnur ist ja jetzt schon viel zu kurz." "Doch es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders. "Es ist noch nie einer zurückgekommen von „ nach der Geburt “. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Und das Leben ist eine Quälerei und dunkel... "Auch wenn ich nicht so genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen. "Mutter? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?" "Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie können wir gar nicht sein!" "Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht." "Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wie sie unsere Welt streichelt.





Dienstag, 10. November 2015

Die Last der Sünden • Allegorie • Swami Sivananda

Eine Frau war sehr stolz. Sie glaubte, niemals eine Sünde begangen zu haben. Sie war überzeugt, sie würde nach ihrem Tod in dieser Welt unverzüglich in das Paradies eintreten. 

Eines Morgens kehrte sie ihr Haus. Versehentlich fiel ihr Besen auf eine Kakerlake, die sofort starb. Die Frau war äußerst entsetzt. Sie verlor fast den Verstand. "Wer nimmt jetzt diese Sünde auf sich? Wie kann ich mich von dieser Sünde rein waschen? Bisher habe ich nicht eine einzige Sünde begangen. Nun das! Was kann ich bloß tun?" Sie rannte mit der Kakerlake in der Hand den ganzen Tag hin und her. Äußerst verwundert sah sie dann auf dem Marktplatz eine Fischverkäuferin. Die Frau fragte diese, "Oh du Unglückliche! Was wird bloß aus dir wenn Du stirbst? Du tötest täglich so viele Kreaturen. Ich hatte bis heute Morgen nicht eine einzige Sünde begangen. Aber heute habe ich versehentlich diese Kakerlake getötet und ich möchte mich gerne von dieser Sünde rein waschen."

"Wirklich?" fragte die Fischfrau. "Mach dir keine Sorgen. Ich habe Millionen von Fischen getötet. Du hast keine Sünde begangen. Diese Sünde an der Kakerlake braucht dich nicht zu beunruhigen. Gib sie mir, ich gebe sie in diesen Korb voller "Fisch-Sünden". Du bist sofort davon befreit. Mach dir keine Sorgen, ich mache mir auch keine; eine zusätzliche Kakerlake macht bei dem Korb voller Fische keinen Unterschied mehr." Die Frau war höchst erfreut. Sie gab die tote Kakerlake der Händlerin, die sie in den Korb mit den Fischen legte. 

Es geschah nun, dass einige Jahre später beide Frauen am gleichen Tag starben. Ein himmlischer Wagen kam, um die Fischhändlerin in den Himmel zu führen, während Boten der Hölle sich der stolzen Frau näherten. Diese war verdutzt und wütend zugleich. Sie fragte die Boten: "Was? Ihr müsst euch irren! Ich bin nicht die Fischverkäuferin, die Sünderin! Ich bin die Fromme! Ihr müsst die Fischfrau mitnehmen, der Himmelswagen ist für mich!"

"Gute Frau", antworteten die Boten der Hölle, "wir irren uns nie. Du wirst in der Hölle erwartet. Die Fischhändlerin geht in den Himmel." 

"Aber wieso?" 

"Ach gute Frau, es war der Fischfrau ihre Aufgabe Fische zu verkaufen. Sie hat die Kreaturen nicht zu ihrem Vergnügen getötet, sondern in Erfüllung ihrer Aufgabe. Sie war ihrer Pflicht ergeben und gleichzeitig dem Höchsten und brachte all ihre Handlungen Gott dar und handelte als Sein Instrument. Daher verdient sie den Himmel. Du hingegen hast eine Kakerlake getötet und hattest das Gefühl 'Ich habe eine Kakerlake getötet'. Du hast ein paar Almosen gegeben und ein paar gute Taten getan, nur um Deinen Egoismus und Deinen Stolz zu nähren. In Deinem Stolz hegtest Du abfällige Gedanken über heilige und fromme Menschen. Du hast überhaupt nie an Gott gedacht. Du warst hochmütig und äußerst selbstsüchtig. Du bist sogar so weit gegangen, dass Du Deine Sünde auf die Fischhändlerin abwälzen wolltest. Sie hingegen war selbstlos und bereit auch Deine Sünde auf sich zu nehmen, um dich von Deinem Elend des Sündenbewusstseins zu befreien. Daher verdient Sie den Himmel und Du die Hölle. Komm jetzt, trödele nicht - weiter!"






Donnerstag, 15. Oktober 2015

Der wilde Elefant • Allegorie • Späte Erkenntnis

Drei Brahmacharis, junge Mönche, gingen eines Abends spazieren und unterhielten sich über die Lehren, welche sie von ihrem Guru empfangen hatten. An diesem Tag hatte ihr Guru gesagt: "Buddha ist in dir, in allen Menschen, ja er lebt in allen Lebewesen auf dieser Welt." 

Als sie darüber sprachen, hörten sie plötzlich hinter sich ein Rauschen und Prasseln. Entsetzt erkannten sie einen wilden Elefanten, der geradewegs auf sie losstürmte. "Aus dem Weg!" schrie der Elefantentreiber, und zwei der Mönche flüchteten sich hinter einen Baum. Der dritte Mönch aber blieb mit ausgebreiteten Armen stehen und sagte: "Ist nicht Buddha auch in diesem wilden Elefanten?"

Als die zwei Brahmacharis ihren arg hergenommenen Freund in den Ashram zu ihrem Guru zurückbrachten und ihm das Ereignis erzählten, musste jener unwillkürlich lachen. 

"Gewiss, Buddha lebt in allen Lebewesen, auch in diesem wilden Elefanten. Habe ich dich aber gelehrt, vor einem wilden Elefanten nicht Reißaus zu nehmen? Ist Buddha nicht auch im Elefantentreiber? Warum also folgtest du seiner Warnung nicht?"










Donnerstag, 3. September 2015

Der alte Indianer und die Wölfe • Allegorische Weisheit

Ein alter Indianer erzählte seinem Enkel von einer großen Tragödie und wie sie ihn nach vielen Jahren immer noch beschäftige. „Was fühlst du, wenn du heute darüber sprichst?“ fragte der Enkel. Der Alte antwortete: „Es ist als ob zwei Wölfe in meinem Herzen kämpfen. Der eine Wolf ist wütend und zornig. Der andere ist großmütig und liebevoll.“ Der Enkel fragte: „Welcher Wolf wird den Kampf in deinem Herzen gewinnen?“ „Der Wolf, den ich füttere!“ sprach der Alte.







Donnerstag, 4. Juni 2015

Brief einer älteren Dame • Könnte ich mein Leben nochmals leben

Könnte ich mein Leben nochmals leben, dann würde ich das nächste Mal riskieren, mehr Fehler zu machen. Ich würde mich entspannen, lockerer und humorvoller sein als dieses Mal. Ich kenne nur sehr wenige Dinge, die ich ernst nehmen würde. Ich würde ein bisschen verrückter sein. Würde mehr Berge erklimmen, mehr Flüsse durchschwimmen und mir mehr Sonnenuntergänge anschauen. Ich würde mehr Zeit mit meinen Freunden verbringen. Ich würde öfter ein Eis essen und weniger Bohnen. Ich hätte mehr echte Schwierigkeiten als eingebildete. Müsste ich es noch einmal machen, ich würde einfach versuchen, immer nur einen Augenblick nach dem anderen zu leben, anstatt jeden Tag schon viele Jahre im Voraus. 

Könnte ich mein Leben nochmals leben, würde ich im Frühjahr früher und im Herbst länger barfuß gehen. Ich würde häufiger die Schule schwänzen, und den Menschen öfter mal eine Freude bereiten.






Donnerstag, 30. April 2015

Du wurdest mit Flügeln geboren • Lerne sie zu nutzen und flieg!

Ulrike Barbara von Radichevich
Du bist gleich einem Vogel im Käfig, der zwar oft vom Fliegen, vom sich erheben und von der Weite des Himmels träumt, die geöffnete Käfigtür aber ängstlich ignoriert. Der Käfig steht offen, warum willst du nicht ins Freie? Im Käfig ist das Leben einsam, kalt und dunkel und es gibt immer das gleiche Futter. Flieg hinaus! Draußen scheint die Sonne, und die Vögel ziehen große Kreise der Freiheit durch das Blau des Himmels, flieg zu ihnen, du bist frei! So flieg doch zur Wärme der Sonne zur Farbe des Firmaments! Sicherheit ist die Kleidung des Lichts, hülle dich ganz darin ein, und du wirst das Licht, ja selbst die Sonne, wirst du sein! Der Käfig steht offen, flieg hinaus, draußen wärmen weissgoldene Strahlen das Kleid der Federn und der Wind trägt dich bis in den Siebenten Himmel. Wage es, ergreife den Mut, und lass dich ins Leben fallen. Im Käfig kannst du die Flügel bewegen, doch die Freiheit des Fliegens zu fühlen ist dort unmöglich. Komm nur, komm heraus, komm heraus aus dir selbst, der Käfig steht offen, stürze dich ins Leben ohne Vorsicht, lass dich fallen in das Meer aus Licht. Wie oft muss der Käfig noch in den Staub zu Boden fallen, ehe du ihn verlässt? Du bist frei, die Tür steht offen, flieg hinaus. Jene Stätte die du ersehnst ist außerhalb allgegenwärtig, die Stäbe deines Käfigs verdecken dir die wahre Sicht. Flieg hinaus und sieh den Käfig von außen, Tränen des Glücks wirst du vergießen und lachen über die zahlreichen Schatten die dich umgaben. Erhebe dich aus dem Staub, erblicke das Blau des Himmels und spüre der Sonnenstrahlen Wärme Licht! Erhebe dich aus des Lebens Flammenmeer und werde grenzenlos frei wie der Himmel! Zerbrich diese Welt der Täuschung, wie ein Küken das Ei. Verlasse den Käfig! JETZT! Du - bist - Frei! 






Donnerstag, 9. April 2015

Der Kaufmann und der Papagei • Heitere Ballade


Ein Kaufmann einen Papagei besaß, 
in Sang und Rede wohl erfahren. 
Der saß als Wächter an des Ladens Pforte 
und sprach zu jedem Kunden kluge Worte. 
Der Menschenkinder Sprache kannte er, 
doch auch seinesgleichen Weisen verstand er. 
Vom Laden ging nach Haus einst sein Gebieter 
und ließ den Papagei zurück als Hüter. 
Ein Kätzlein plötzlich in den Laden sprang, 
um eine Maus zu fangen; todesbang, 
flatterte hin und her der Papagei 
und stieß ein Glas mit Rosenöl entzwei. 
Von seinem Hause kam der Kaufmann wieder 
und setzte sorglos sich im Laden nieder. 
Da sah er Rosenöl all überall, 
im Zorn schlug er das Haupt des Vogels kahl. 
Die Zeit verstrich, der Vogel sprach nicht mehr. 
Da kam die Reu', der Kaufmann seufzte schwer. 

Wär' mir, da auf den Redner 
ich den bösen Schlag geführt, 
doch lahm die Hand gewesen! 

"Wohl gab er frommen Bettlern reiche Spende, 
auf dass sein Tier die Sprache wiederfände; umsonst! 
Als er am vierten Morgen klagend, 
in tausend Sorgen, was zu machen sei, 
dass wieder reden mög' sein Papagei, 
ließ sich mit bloßem Haupt ein Gelehrter blicken, 
den Schädel glatt wie eines Beckens Rücken. 
Da fing der Vogel gleich zu reden an 
und rief dem Weisen zu: "Sag lieber Mann, 
wie wurdest Kahlkopf du zum Kahlen? Sprich! 
Vergossest du vielleicht auch Öl wie ich?" 
Man lachte des Vergleichs, 
dass seine Lage 
der Vogel auf den Weisen übertrage.







Donnerstag, 2. April 2015

Der Löwe und der Sufi • Allegorie über Gottvertrauen

Der Sufi Ibrahim Al-Khauwas berichtet: „Eines Tages kam ich in der Wüste zu einem Baum an einer Wasserstelle und erblickte – mir zugewandt – einen gewaltigen Löwen. Ich gab mich Gott anheim. Als sich der Löwe näherte, lahmte er. Er kam, ließ sich vor mir nieder und brüllte laut. Ich sah an seiner Tatze ein eitriges Geschwür, ergriff einen Stock und spaltete die Tatze, damit sie von dem Eiter, der sich angesammelt hatte, frei wurde. Ich band einen Lappen um die Tatze, und der Löwe stand auf und verschwand. Nach einer Stunde kam er wieder, mit allen seinen Jungen. Sie umringten mich, wedelten mit den Schwänzen und legten eine Lende vor mich hin.“








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