Aventin Blog: November 2015

Montag, 30. November 2015

Der Löwe, der Bär und der Fuchs • Streit • Fabel von Aesop

Ein Fuchs war einmal auf Jagd gegangen, einen guten Bissen zu erbeuten. Er war noch nicht lange unterwegs, als er ein lautes Streiten vernahm. Ein Bär schlug mit seinen Tatzen nach einem Löwen und fauchte ihn wütend an: "Ich war der erste beim Lamm. Die Beute gehört mir, ich habe das Tier gefangen." "Nein!" brüllte der Löwe zornig zurück. "Du lügst! Ich war als erster hier, und darum gehört die Beute mir." Er wehrte sich kräftig und schnappte mit seinen scharfen Zähnen nach dem Fell des Bären. 

Der Löwe und der Bär kämpften verbissen miteinander. Dem Fuchs erschien der Kampf endlos zu sein. Nicht weit entfernt lag die Streitbeute achtlos am Boden und er musste sich zusammenreißen, dass er sich nicht gleich auf das tote Lamm stürzte. Aber er war klug und sagte sich: "Sind die Streitenden erst erschöpft, dann können sie mir nichts mehr anhaben." 

Als der Bär und der Löwe nach unerbittlichem Kampf endlich kraftlos zusammenbrachen, waren sie tatsächlich nicht mehr fähig, sich zu rühren. Der Fuchs schritt nun furchtlos an ihnen vorbei und holte sich gefahrlos das gute Stück. Er verneigte sich noch höflich und sagte: "Danke, meine Herren, sehr freundlich, wirklich sehr freundlich!" Lachend zog er mit seinem guten Beutestück ab.

Lehre:
Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.






Freitag, 27. November 2015

Farbenphänomene • Blau • Johann Wolfgang Goethe

So wie das Gelb immer ein Licht mit sich führt, so kann man sagen, dass das Blau immer etwas Dunklers mit sich führe. Diese Farbe macht für das Auge eine sonderbare und fast unaussprechliche Wirkung. Sie ist als Farbe eine Energie; allein sie steht auf der negativen Seite und ist in ihrer höchsten Reinheit gleichsam ein reizendes Nichts. Es ist etwas Widersprechendes von Reiz und Ruhe im Anblick.

Wie wir den hohen Himmel, die fernen Berge blau sehen, so scheint eine blaue Fläche auch vor uns zurückzuweichen. Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht.

Das Blaue gibt uns ein Gefühl von Kälte, so wie es uns auch an Schatten erinnert. Wie es vom Schwarzen abgeleitet sei, ist uns bekannt. Zimmer, die rein blau austapeziert sind, erscheinen gewissermaßen weit, aber eigentlich leer und kalt. Blaues Glas zeigt die Gegenstände im traurigen Licht. Es ist nicht unangenehm, wenn das Blau einigermaßen vom Plus partizipiert. 







Mittwoch, 25. November 2015

Wie viele Buchseiten hat Oscar am ersten Tag gelesen?

Oscar liebt spannende Krimis. Als sein absoluter Lieblings-Schriftsteller einen neuen 600-seitigen Roman veröffentlicht, liest er das Buch innerhalb von nur sechs Tagen komplett durch. Danach stellt er fest, dass er jeden Tag 20 Seiten mehr als am Tag zuvor gelesen hat.

Wie viele Seiten hat Oscar am ersten Tag gelesen?



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Dienstag, 24. November 2015

Erlkönig • Ballade • Johann Wolfgang von Goethe


Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

"Du liebes Kind, komm geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel' ich mit dir;
Manch' bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand."

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind!
In dürren Blättern säuselt der Wind.

"Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn,
Und wiegen und tanzen und singen dich ein."

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort?
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh' es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau.

"Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt."
Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan"

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Müh und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.








Montag, 23. November 2015

Der Adler und die Schildkröte • Torheit • Fabel von Aesop


Eine Schildkröte bat einen Adler, ihr Unterricht im Fliegen zu geben. Der Adler suchte es ihr auszureden, aber je mehr er sich bemühte, ihr das Törichte ihres Wunsches klarzumachen, desto mehr beharrte sie darauf. Ihrer dringenden Bitten müde, nahm der Adler sie dann endlich mit in die Luft und ließ sie ungefähr turmhoch los aus seinen Fängen, damit sie fliege; zerschmettert lag sie auf der Erde und musste so ihre Torheit büßen. 

Lehre: 
Trachte nicht nach Dingen, die die Natur dir versagt hat. Was die Natur versagt, kann niemand geben.






Freitag, 20. November 2015

Die Freiheit • Das höchste Gut des Menschen • Epiktet

Böcklin • Libertas
Man sagt, das höchste Gut des Menschen sei die Freiheit. Ist die Freiheit wirklich ein Heil, so kann ein freier Mensch nicht unglücklich sein. Sieht man also, dass ein Mensch unglücklich ist, leidet und jammert, so weiß man, dieser Mensch ist nicht frei: er wird unbedingt von irgend jemand oder irgend etwas geknechtet. 

Ist die Freiheit ein Heil, so kann ein freier Mensch kein freiwilliger Sklave sein. Wenn man also sieht, dass sich ein Mensch vor anderen erniedrigt, ihnen schmeichelt - weiß man, dass dieser Mensch ebenfalls nicht frei ist. Er ist ein Knecht, der entweder eine Mahlzeit oder ein einträgliches Amt oder sonst noch etwas zu erlangen sucht, um über das zu verfügen, was nicht ihm gehört.

Ein freier Mensch verfügt nur über das, worüber er ungehindert verfügen kann. Ungehindert aber kann einer nur über sich selbst verfügen. Wenn man also sieht, dass jemand nicht über sich selbst, sondern über andere verfügen will, wo weiß man, er ist nicht frei; er ward zum Sklaven seines Wunsches, über die Menschen zu herrschen. (Epiktet)






Mittwoch, 18. November 2015

Wie lange braucht ein Bücherwurm um sich durch drei Buchbände zu fressen?


Ein fleißiger Bücherwurm frisst sich durch drei Buchbände, 
die übereinander im Bücherschrank liegen. 
Er beginnt auf Seite eins des ersten Bandes. 

Für eine Einbanddecke braucht er einen Tag, 
für die gesamten Druckblätter eines Bandes je drei Tage!

Wie lange braucht er bis zur letzten Seite des dritten Bandes?



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Dienstag, 17. November 2015

Der Bergmönch im Harz • Sage • Brüder Grimm

Zwei Bergleute arbeiteten immer gemeinschaftlich. Einmal als sie anfuhren und vor Ort kamen, sahen sie an ihrem Geleucht, dass sie nicht genug Öl zu einer Schicht auf den Lampen hatten. "Was fangen wir da an?" sprachen sie miteinander, "geht uns das Öl aus, so dass wir im Dunkeln sollen zutag fahren, sind wir gewiss unglücklich, da der Schacht alleine schon gefährlich ist. Fahren wir aber jetzt gleich aus, um von zu Haus Öl zu holen, so straft uns der Steiger und das mit Lust, denn er ist uns nicht gut." Wie sie also besorgt standen, sahen sie ganz fern in der Strecke ein Licht, das ihnen entgegenkam. Anfangs freuten sie sich, als es aber näher kam, erschraken sie gewaltig, denn ein ungeheurer, riesengroßer Mann ging, ganz gebückt, in der Strecke herauf. Er hatte eine große Kappe auf dem Kopf und war auch sonst wie ein Mönch angetan, in der Hand aber trug er ein mächtiges Grubenlicht. Als er bis zu den beiden , die in Angst und Schrecken da stillstanden, geschritten war, richtete er sich auf und sprach: "Fürchtet euch nicht, ich will euch kein Leid antun, vielmehr Gutes", nahm ihr Geleucht und schüttete Öl von seiner Lampe darauf. Dann aber griff er ihr Gezäh und arbeitete ihnen in einer Stunde mehr, als sie selbst in der ganzen Woche bei allem Fleiß herausgearbeitet hätten. Nun sprach er: "Sagt's keinem Menschen je, dass ihr mich gesehen habt", und schlug zuletzt mit der Faust links an die Seitenwand; sie tat sich auseinander, und die Bergleute erblickten eine lange Strecke, ganz von Gold und Silber schimmernd. Und weil der unerwartete Glanz ihre Augen blendete, so wendeten sie sich ab; als sie aber wieder hinschauten, war alles verschwunden. Hätten sie ihre Bilhacke (Hacke mit einem Beil) oder sonst nur einen Teil ihres Gezähs hineingeworfen, wäre die Strecke offen geblieben und ihnen viel Reichtum und Ehre zugekommen; aber so war es vorbei, wie sie die Augen davon abgewendet. 

Doch blieb ihnen auf ihrem Geleucht das Öl des Berggeistes, das nicht abnahm und darum noch immer ein großer Vorteil war. Aber nach Jahren, als sie einmal am Sonnabend mit ihren guten Freunden im Wirtshaus zechten und sich lustig machten, erzählten sie die ganze Geschichte, und Montagsmorgen, als sie anfuhren, war kein Öl mehr auf der Lampe, und sie mussten nun jedesmal wieder, wie die andern, frisch aufschütten.







Sonntag, 15. November 2015

Der Wolf und die Ziege • Versprechen und Vertrauen • Fabel Aesop

Auf einem sehr steilen Felsen erblickte ein Wolf eine Ziege. "Komm doch", rief er ihr zu, "auf diese schöne fette Wiese herab, wo du die trefflichsten Gräser und Kräuter findest, während du dort oben darbest."

"Ich danke dir schön für dein Anerbieten", sprach die kluge Ziege, die wohl die Absicht des Wolfes erkannte. "Dir liegt mehr an meinem Fleisch als an meinem Hunger. Hier oben bin ich vor dir sicher, während du mich dort unten sofort verschlingen würdest." 







Freitag, 13. November 2015

Farbenphänomene • Gelb • Johann Wolfgang Goethe

Gelb ist die nächste Farbe am Licht. Sie entsteht durch die gelindeste Mäßigung desselben, es sei durch trübe Mittel oder durch schwache Zurückwerfung von weißen Flächen. Bei den prismatischen Versuchen erstreckt sie sich allein breit in den lichten  Raum und kann dort, wenn die beiden Pole noch abgesondert voneinander stehen, ehe sie sich mit dem Blauen zum Grünen vermischt, in ihrer schönsten Reinheit gesehen werden. Wie das chemische Gelb sich an und über dem Weißen entwickelt, ist gehörigen Orts meist umständlich vorgetragen worden.

Das Gelb führt in ihrer höchsten Reinheit immer die Natur des Hellen mit sich und besitzt eine heitere, muntere, sanft reizende Eigenschaft.

In diesem Grade ist sie als Umgebung, es sei als Kleid, Vorhang, Tapete, angenehm. Das Gold in seinem ganz ungemischten Zustand gibt uns, besonders wenn der Glanz hinzukommt, einen neuen und hohen Begriff von dieser Farbe; so wie ein starkes Gelb, wenn es auf glänzender Seide, zum Beispiel auf Atlas erscheint, eine prächtige und edle Wirkung tut. 

So ist es der Erfahrung gemäß, dass das Gelbe einen durchaus warmen und behaglichen Eindruck macht. Daher kommt es auch in der Malerei der beleuchteten und wirksamen Seite zu. Diesen erwärmenden Effekt kann man am lebhaftesten bemerken, wenn man durch ein gelbes Glas, besonders in grauen Wintertagen, eine Landschaft ansieht. Das Auge wird erfreut, das Herz ausgedehnt, das Gemüt erheitert; eine unmittelbare Wärme scheint uns direkt anzuwehen. 








Donnerstag, 12. November 2015

Wien ist immer eine Reise wert • Mythos einer Kaiserstadt


Wohl über kaum eine andere Stadt gibt es so viele vorgefertigte Bilder wie über Wien: die Stadt der Operette, des Walzers und des Fiakers, eines Schubert und Beethoven oder das Wien, wo auch die 'Gute Alte Zeit' noch immer ihren Platz hat. Diese Stadt aber so zu beschreiben, wie sie tatsächlich ist, ohne sie der Wirklichkeit zu entrücken, ist wohl ein schwieriges Unterfangen. 

Wien ist stolz darauf, auf eine große Vergangenheit zurückblicken zu können. Nicht zuletzt bedingt durch eine überaus günstige geographische Lage, spielte Wien durch nahezu zwei Jahrtausende eine bedeutsame historische Rolle: Wien, im Herzen Europas gelegen, liegt zwischen den Alpen und den Karpaten, wo sich im sogenannten Wiener Becken uralte Verkehrs- und Handelswege kreuzen. 

Wiens Seele lässt immer wieder neue Aspekte zu. Die Stadt wurde geprägt durch die Ausstrahlung verschiedenster Kulturen. Besucher sind immer wieder überrascht, wie hier das Widersprüchlichste zur Harmonie bewegt werden kann. Wolfgang Amadeus Mozart bezeichnete Wien als den herrlichsten Ort für sich und sein Metier. Die Stadt sei der beste Ort der Welt, erzählte er jedem, den er kannte.

Kaum anderswo ist das Studium der Architektur leichter als in dieser Donaustadt, wo sämtliche Stilarten und Stilepochen vorhanden sind. Berühmt sind die Wiener Malerschule, die seit dem 14. Jahrhundert besteht und auch die Wiener Literatur, die ihren Ursprung auf 'Fahrende und Scholaren' wie auf 'Neidhart von Reuental' zurückführt. Besonders erwähnt sei hier der Minnesänger Walther von der Vogelweide (1170-1230), der bereits am Hof der Babenberger ein beredtes Zeugnis für die damalige Pflege der Musik und Dichtkunst in Wien ablegte.   

Kult sind die Wiener Kaffeehäuser, sie bilden gleichsam eine Insel der Seligen. Diese sind keine gewöhnlichen Lokale, in denen man nur Kaffee trinkt, nein, sie wollen sich vielmehr als Institution verstanden wissen, die zur Stadt gehören wie das Riesenrad oder der Stephansdom. Wien ist immer eine Reise wert.







Mittwoch, 11. November 2015

Dienstag, 10. November 2015

Die Last der Sünden • Allegorie • Swami Sivananda

Eine Frau war sehr stolz. Sie glaubte, niemals eine Sünde begangen zu haben. Sie war überzeugt, sie würde nach ihrem Tod in dieser Welt unverzüglich in das Paradies eintreten. 

Eines Morgens kehrte sie ihr Haus. Versehentlich fiel ihr Besen auf eine Kakerlake, die sofort starb. Die Frau war äußerst entsetzt. Sie verlor fast den Verstand. "Wer nimmt jetzt diese Sünde auf sich? Wie kann ich mich von dieser Sünde rein waschen? Bisher habe ich nicht eine einzige Sünde begangen. Nun das! Was kann ich bloß tun?" Sie rannte mit der Kakerlake in der Hand den ganzen Tag hin und her. Äußerst verwundert sah sie dann auf dem Marktplatz eine Fischverkäuferin. Die Frau fragte diese, "Oh du Unglückliche! Was wird bloß aus dir wenn Du stirbst? Du tötest täglich so viele Kreaturen. Ich hatte bis heute Morgen nicht eine einzige Sünde begangen. Aber heute habe ich versehentlich diese Kakerlake getötet und ich möchte mich gerne von dieser Sünde rein waschen."

"Wirklich?" fragte die Fischfrau. "Mach dir keine Sorgen. Ich habe Millionen von Fischen getötet. Du hast keine Sünde begangen. Diese Sünde an der Kakerlake braucht dich nicht zu beunruhigen. Gib sie mir, ich gebe sie in diesen Korb voller "Fisch-Sünden". Du bist sofort davon befreit. Mach dir keine Sorgen, ich mache mir auch keine; eine zusätzliche Kakerlake macht bei dem Korb voller Fische keinen Unterschied mehr." Die Frau war höchst erfreut. Sie gab die tote Kakerlake der Händlerin, die sie in den Korb mit den Fischen legte. 

Es geschah nun, dass einige Jahre später beide Frauen am gleichen Tag starben. Ein himmlischer Wagen kam, um die Fischhändlerin in den Himmel zu führen, während Boten der Hölle sich der stolzen Frau näherten. Diese war verdutzt und wütend zugleich. Sie fragte die Boten: "Was? Ihr müsst euch irren! Ich bin nicht die Fischverkäuferin, die Sünderin! Ich bin die Fromme! Ihr müsst die Fischfrau mitnehmen, der Himmelswagen ist für mich!"

"Gute Frau", antworteten die Boten der Hölle, "wir irren uns nie. Du wirst in der Hölle erwartet. Die Fischhändlerin geht in den Himmel." 

"Aber wieso?" 

"Ach gute Frau, es war der Fischfrau ihre Aufgabe Fische zu verkaufen. Sie hat die Kreaturen nicht zu ihrem Vergnügen getötet, sondern in Erfüllung ihrer Aufgabe. Sie war ihrer Pflicht ergeben und gleichzeitig dem Höchsten und brachte all ihre Handlungen Gott dar und handelte als Sein Instrument. Daher verdient sie den Himmel. Du hingegen hast eine Kakerlake getötet und hattest das Gefühl 'Ich habe eine Kakerlake getötet'. Du hast ein paar Almosen gegeben und ein paar gute Taten getan, nur um Deinen Egoismus und Deinen Stolz zu nähren. In Deinem Stolz hegtest Du abfällige Gedanken über heilige und fromme Menschen. Du hast überhaupt nie an Gott gedacht. Du warst hochmütig und äußerst selbstsüchtig. Du bist sogar so weit gegangen, dass Du Deine Sünde auf die Fischhändlerin abwälzen wolltest. Sie hingegen war selbstlos und bereit auch Deine Sünde auf sich zu nehmen, um dich von Deinem Elend des Sündenbewusstseins zu befreien. Daher verdient Sie den Himmel und Du die Hölle. Komm jetzt, trödele nicht - weiter!"



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Sonntag, 8. November 2015

Der mit Salz beladene Esel • Fabel von Aesop

Ein mit Salz schwer beladener Esel musste durch einen Fluss, fiel hin und blieb einige Augenblicke behaglich in der kühlen Flut liegen. Beim Aufstehen fühlte er sich um einen großen Teil seiner Last erleichtert, weil das Salz sich im Wasser teilweise aufgelöst hatte. 

Langohr merkte sich diesen Vorteil und wandte ihn auch gleich am folgenden Tage wieder an, als er mit Schwämmen beladen durch eben diesen Fluss ging. Diesmal fiel er absichtlich nieder, sah sich aber arg getäuscht. Die Schwämme hatten nämlich Wasser angezogen und waren somit bedeutend schwerer als vorher. Die Last war nun so groß, dass er daran beinahe zugrunde ging. 

Lehre: Was in einem Falle recht, im anderen gar schlecht!



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Dienstag, 3. November 2015

Der Schatz von Schwerte • Sage aus Deutschland

Auf dem Weidenhof bei Schwerte liegt schon seit undenklichen Zeiten ein reicher Schatz vergraben, von dem man aber nichts anders weiß, als dass eine verwünschte Jungfrau ihn bewachen muss. 

Als im dreißigjährigen Krieg viele Soldaten in der Stadt lagen, gingen einst zwei von diesen des Abends in ein Wirtshaus, welches da stand, wo jetzt die Schwerter Mühle liegt. Gegen Mitternacht kehrten sie in ihr Quartier zurück. Ihr Weg führte sie über den Weidenhof. Als sie auf diesem ankamen, sahen sie plötzlich eine weiße Jungfrau vor sich stehen, worüber sie sehr erschrocken waren und zunächst davon laufen wollten. Aber die Jungfrau rief einen von ihnen beim Namen. Da fasste sich dieser ein Herz und fragte sie: "Was tust du hier?" Worauf sie antwortete: "Ich bewache hier einen Schatz," und sie fügte hinzu, dass der Soldat den Schatz haben solle, wenn er sie erlöse. Er solle die darauf folgende Nacht in derselben Stunde wiederkommen, aber allein. Darauf verschwand sie. Der Soldat aber fürchtete sich und kam in der folgenden Nacht nicht wieder. 

Nicht lange danach wurde ein Schwerter Bürger auf die gleiche Weise von der Jungfrau angeredet. Dieser versprach wiederzukommen und er hielt sein Wort. In der darauf folgenden Nacht sagte die Jungfrau zu ihm: "Fang da an zu graben!" Er aber entgegnete ihr: "Grabe du selbst!" Sie tat dies und grub in der Erde ein glänzendes Schloss aus. Dies gehörte zu einer Kellertür, die sich darauf hin wie von selbst öffnete. Der Mann ging hinein und sah nichts als Gold und Silber. Da packte er alle seine Taschen voll. Die Jungfrau aber rief ihm zu: "Vergiss das Beste nicht!" Er meinte, er solle bloß das Gold nehmen und das Silber liegen lassen, und daher griff er nur nach dem Gold, trat dann voll beladen wieder heraus und --- die Kellertür schlug hinter ihm krachend wieder zu. Seufzend sprach die Jungfrau: "Hättest du auch den Schlüssel mitgenommen, so wäre ich jetzt erlöst und du der reichste Mann auf Erden!" Mit diesen Worten verschwand sie. Schloss und Kellertür hat man nie mehr wiedergefunden. Die Jungfrau aber soll noch oft um Mitternacht dort herum gehen und seufzen, weinen und wehklagen.




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Montag, 2. November 2015

Der Esel, der Rabe und der Hirte • Hilfe oder Hohn • Fabel von Aesop

Auf einer Wiese weidete ein Esel, der sich von der Arbeit den Rücken wund geschunden hatte. Dies sah ein Rabe, flog auf den Esel zu, setzte sich auf dessen Rücken und fing an, mit dem Schnabel in das rohe Fleisch zu picken. Dies schmerzte den Esel sehr und obgleich er sich bemühte, den lästigen Gast los zu werden, gelang es ihm nicht. 

Wenige Schritte davon lag sein Hüter, welcher mit einem Wort oder einer Geste den Raben hätte vertreiben können. Der aber ergötzte sich an den tollen und possierlichen Sprüngen und Gesichtern, welche der Esel von Schmerz getrieben machte und lachte noch laut dazu. 

"Oh!" rief der Esel aus, "jetzt fühle ich wirklich meine Schmerzen doppelt, weil mich auch der noch verlacht, der mir helfen könnte und es auch sollte." 

Lehre: Statt Hilfe in der Not Hohn zu erhalten schmerzt doppelt.



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